Klingelt's wenn es klingelt?

Von Rüdiger Gramsch

Mit so genannten Schockanrufen lassen sich viele Senioren von Telefonbetrügern aufs Glatteis führen. Die Betroffenen überweisen hohe Geldbeträge, um einen vermeintlichen Verwandten, zumeist Kinder oder Enkel, aus der Patsche zu helfen. Doch die Geschichten sind nicht wahr. Die Initaitive Sicherer Landkreis Göppingen macht deshalb in einer Kampagne auf die Masche der Telefonbetrüger aufmerksam.
„Rate mal, wer dran ist“ Ob als falsche Enkel oder falsche Polizisten – Betrüger versuchen in letzter Zeit immer häufiger, mit ihren Maschen an das Geld von Senioren zu kommen. Und das oft mit Erfolg.

Mit Schockanrufen halten Betrüger vorwiegend ältere Menschen in Atem. Sie gaukeln dem Angerufenen vor, dass sein Kind oder Enkel in finanziellen Nöten ist und schnell einen zumeist vierstelligen Geldbetrag benötigt, um aus dem Schlamassel herauszukommen. Weil sich die Zahl der Anrufe häufen, gibt es auch immer mehr Opfer.

Dem will jetzt die Initiative sicherer Landkreis entgegenwirken. Sie startet die Kampagne „Hat es bei Dir geklingelt?“ Die Aktion geht auf eine Idee von Geschäftsführer Ralf Liebrecht zurück, der darauf setzt, dass die flotten Sprüche auf den zu verteilenden bunten Karten bei den Senioren wirken, wenn diese von Betrügern angerufen werden und ihnen eine schockierende Gesichte aufgetischt wird. „Da sollte es bei den Betroffenen dann klingeln“, so Liebrecht, der - selbst Polizeibeamter - die Aktion in der Hauptversammlung der Initiative in Süßen den Mitgliedern vorgestellt hat.

Durch die Gestaltung der Postkarte  und vor allem deren Rückseite mit Prävemntionstipps sollen Angehörige und/oder Bekannte ihre Liebsten, Nachbarn, Bekannte/Freunde persönlich auf die Betrugsmaschen hinweisen und ihnen klar machen, dass es sich um Betrüger handelt, wenn telefonisch hohe Geldbeträge gefordert werden. „Die Karten sind nicht nur ein Flyer, sondern eine persönliche Message.

Zwölf Kartenmotive gibt es insgesamt, zwei Sprüche hat Liebrecht zusammen mit einer Realschuleklasse aus Süßen entwickelt. Und das nicht ohne Grund, denn ein Ziel der Aktion ist es, dass junge Menschen ihre älteren Angehörige auf die Telefonbetrügereien aufmerksam machen und ihnen die Karten übereichen, die dann, so Liebrechts Wunsch, am besten nahe am Telefon aufgestellt oder aufgehängt werden sollten, damit es wirklich klingelt, wenn die Gauner anrufen.

Die Schäden, die die Telefonbetrüger anrichten, sind immens. Allein in Baden-Württemberg, so Liebrecht, gelangen die Gauner mit ihrer Masche an gut zehn Millionen Euro jährlich. Das Vorgehen der Betrüger ist dabei immer gleich. Der Anrufer schockt den älteren Menschen am anderen Ende der Leitung mit einer schlechten Nachricht: Sohn oder Tochter (oder Enkel) hatte einen Unfall, liegt im Krankenhaus oder braucht schnell Geld, um eine preisgünstige Wohnung zu kaufen. Der Angerufene soll dann vier- oder fünfstellige Geldbeträge einem vermeintlichen Freund übergeben, der zeitnah vorbei kommt. Klappt die erste Geldübergabe folgt zumeist noch eine Fortsetzung der unwahren Geschichte und es wird weiteres Geld verlangt - und oft dann auch bezahlt. Dass Kind oder Enkel von einer unbekannten Nummer aus anrufen, begründen die Betrüger damit, dass das bisherige Handy kaputt sei und man ein neues mit einer anderen Nummer habe. 

Neben den Schockanrufen über das vermeintliche Schicksal von Familienangehörigen, versuchten auch „falsche Polizisten“ an das Geld älterer Menschen zu kommen. Sie warnen  in einem Anruf - auf dem Telefondisplay erscheint in der Regel die Notrufnummer 110 - vor einer Diebesbandes, die angeblich in der Nachbarschaft unterwegs sei. Deshalb sei es besser für den Angerufenen, Schmuck, Geldbeträge und Wertgegenstände dem gleich vorbekommenden Polizeibeamten auszuhändigen und es somit in Sicherheit zu bringen. Der, der die Wertsachen dann abholt, ist allerdings kein Polizist, sondern einer der Gauner.      

 

TIPP

Das rät die Polizei

- Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
- Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis.
- Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie   sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
-  Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.
- Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
- Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
- Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
- Ändern Sie ihren Telefonbucheintrag und verzichten Sie dort auf die Nennung Ihres Vonnamen.   Das macht Betrügern es schwerer, Sie ausfindig zu machen.