Die Chatliebe kann böse enden
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Wer seine große Liebe im Chat finden will, sollte vorsichtig sein. Es könnte sein, dass die Person am
anderen Ende der Leitung vielleicht nicht die ist, für die sie sich ausgibt. Foto: Pixabay
Sie versprechen viel und wollen doch nur ans Geld ihrer angeblich Angebeteten: Betrüger, die übers Internet ihre „große Liebe“ suchen und dann das aufgebaute Vertrauen missbrauchen. Die Polizei rät, nicht nur Herz, sondern auch den
Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und damit auch die Zeit, in der sich Singles verstärkt nach einem Partner oder einer Partnerin sehnen. Seit der Beginn der Corona-Pandemie nutzen viele das Internet, um neue Kontakte zu finden. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, so die Polizei in Aalen. Auf entsprechenden Portalen und Onlineseiten würden sich auch Betrüger herumtreiben und ein falsches Spiel mit der Liebe spielen.
Eine Frau aus dem Rems-Murr-Kreis wurde Opfer der Liebesbetrüger. Ein Mann nahm über Facebook Kontakt zu der 56-Jährigen auf. Er stellte sich als amerikanischer Militärarzt vor und gab an, dass er sich aktuell in einem Auslandseinsatz befindet. Anschließend weckte er mit Geschichten über seine vor drei Jahren verstorbenen Frau und anderen Schicksalsschlägen das Interesse der Schwäbin. In täglichen Chats zwischen dem Betrüger und dem Opfer konnte der angebliche Amerikaner das Vertrauen der Frau gewinnen konnte.
Aufkommendes Misstrauen konnte der Mann sofort durch schlüssige Erklärungen im Keim ersticken. Weiter beteuerte er immer wieder, dass er ein ehrlicher und treuer Mann sei und überschüttete die Dame mit Liebesbekundungen. Er erzählte von seiner zehnjährigen Tochter, die sich kurz darauf bei der 56-Jährigen meldete und diese als Stiefmutter in der Familie begrüßte. Der vermeintliche Militärarzt stellte seinem Opfer in Aussicht, dass er bald nach Deutschland komme, da sein Auslandseinsatz in absehbarer Zeit beendet sei. Dann könnten sich die beiden endlich persönlich treffen.
Doch es kam dann alles ganz anders: Der Geliebte schrieb, dass sein Vermögen auf einem Festgeldkonto angelegt sei und er aus dem Ausland nicht darüber verfügen könne. Da der Wunsch nach einem Treffen größer als die Zweifel der Frau war, überwies sie dem Mann das Geld für ein Flugticket. Auf dem Flughafen wartete die allerdings vergeblich auf den Liebsten.
Abends meldete er sich, dass er einen Unfall auf dem Weg zum Flughafen gehabt habe und mit schweren Verletzungen im Krankenhaus liege. Er bat die Frau wiederholt um Geld, um die Krankenhausrechnungen bezahlen zu können.
Aus Sehnsucht und in der Hoffnung auf ein baldiges Treffen überwies die Frau wiederholt Geldbeträge auf verschiedene ausländische Konten. Insgesamt flossen etwa 100 000 Euro. Dies schien für die Frau verkraftbar, da der Mann ihr versprach in Deutschland mit seinem großen Privatvermögen eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Erst bei einem Gespräch mit der Mitarbeiterin einer Bankfiliale wurde die Frau auf den Betrug aufmerksam gemacht. Die Ernüchterung und der Schock für die Frau war natürlich groß.
Wie viele Menschen auf falsche Partnersucher reinfallen ist nicht bekannt. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelzifer aus, denn aus Scham und Kränkung würden sich viele Betroffene nicht melden.
Die Polizei rät, auf Partnerbörsen und Chatportalen vorsichtig zu sein. Zwar seien derartige Portale dafür da, neue soziale Kontakte zu knüpfen, allerdings sollte immer daran gedacht werden, dass die Person am anderen Ende der Leitung vielleicht nicht die ist, für die sie sich ausgibt.