Der mobile Schnitt

Bettina Deutschmann gehört zu den mobilen Friseuren und kommt zu Kunden nach Hause oder ins
Pflegeheim. Foto: Ulrike Luthmer-Lecher
Von Ulrike Luthmer-Lechner
Zum gepflegten Äußeren gehört auch die Frisur. Was aber, wenn man nicht mehr aus dem Haus kann, krank oder bettlägerig ist? Gründe, um auf mobile Friseure zurückzugreifen. Bettina Deutschmann aus Eislingen ist eine der mobilen Friseurinnen.
„Waschen, schneiden legen“. Der Wunsch kann zum haarsträubenden Problem werden, wenn man den Coiffeur nicht mehr selbst aufsuchen kann. Gut, dass es mobile F Friseure gibt, die ins Haus oder ins Altersheim kommen. Die
rollenden Friseure brauchen keinen festen Unternehmensstandort und sind ortsunabhängig, zahlen ihre Steuern ans Finanzamt und Beiträge an die Handwerkskammer.
Friseurmeisterin Bettina Deutschmann aus Eislingen weiß, wie dankbar Senioren für den Hausbesuch sind. Mit über 40 Jahren Berufserfahrung ist sie als „alter Hase“mit allen Gegebenheiten vertraut. „Ich habe nie etwas anderes gemacht und ich habe immer noch viel Spaß“.
Ihre Lehrzeit begann sie mit 16 Jahren, als Angestellte. in einem Salon absolvierte sie ihren Meisterbrief, bevor sie den Weg als selbstständige mobile Friseurin einschlug. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Einsatzfreude sowie genaues und sorgfältiges Arbeiten sind das Fundament dafür.
Es sind meist ältere Damen, aber auch Männer, die ihre Dienste zu schätzen wissen. „Die Arbeit ist zwar anstrengender als im Salon, weil kein großer Spiegel da ist, kein passender Stuhl und oft ist auch das Licht nicht ausreichend“.
Wenn sie nach Terminabsprache ihre Kunden zuhause oder im Altersheim besucht, wird in der Küche, im Bad, im Flur oder Wohnzimmer geschnitten, gefärbt, geföhnt oder die Lockenwickel
eingedreht. Besonders schwierig sei es bei Kunden im Rollstuhl. „Der Platz ist meist sehr beengt“. Ihre Bedingung, um gute Arbeit leisten zu können ist der Zugang zu einer Brause. „Dauerwellflüssigkeit und Coloration müssen akkurat ausgewaschen werden, nur
an sauberen Haaren arbeite ich weiter“.
Dauerwelle? „Ja, die ist wieder in, auch bei jungen Leuten“, weiß die Fachfrau. Mit speziell auf die Kunden abgestimmten Shampoos wird gewaschen, bevor Kamm und Schere ins Spiel kommen. Föhn und Trockenhaube hat sie natürlich dabei. Ihr (Stamm)-Kundenkreis erstreckt sich über Eislingen,
Birenbach, Eckwälden, Göppingen und Rechberghausen.
Anfangs seien die Menschen eher skeptisch, wenn sie mit einem strahlenden Lächeln vor der Tür steht („die Leute kennen mich ja nicht“) aber schnell tauen sie auf. Im Laufe der Zeit erzählen sie ihr ihr ganzes Leben, ihre Sorgen, Nöte und Freuden.„Die Menschen sind sehr mitteilungsbedürftig“. Dank ihrer langen Berufserfahrung hat Bettina Deutschmann längst Menschenkenntnis gesammelt und kann mit Einfühlungsvermögen und psychologischem Verständnis aufwarten.
„Ja, und gute Nerven braucht man schon auch“, lacht sie.Warum? „Die Leute sitzen nicht ruhig im Stuhl wie beim Friseur, sondern drehen den Kopf nach rechts und links, dann fällt ihnen etwas ein und sie deuten in eine Ecke oder es kommt jemand zur Tür herein, mit dem geplappert wird“.
Vieles wurde ihr schon anvertraut, doch selbstverständlich behält sie das streng für sich und schweigt eisern. „Ich könnte ein Buch schreiben, das liest sich dann wie ein Krimi“, schmunzelt sie.
Richten sich manche ihrer Kunden auch nach der Mondphase? „Ja, durchaus legen einige Wert darauf, nur bei guten Mondeinflüssen die Haare schneiden zu lassen“. Ihre eigene Meinung dazu: „Man darf das nichtüberbewerten, aber ein Körnchen Wahrheit ist vielleicht schon dran“.